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Aktuelle Gedanken

Gedanken zum Wochenende, 05.08.2020

Liebt Eure Feinde“

Pfr. Bernd Töpfer, Marktheidenfeld

Viele Menschen waren beeindruckt von den Worten, die Jesus damals vor fast 2000 Jahren in unsere Welt hinein verkündigte. Bis heute stellt seine Botschaft die menschlichen Gewohnheiten in Frage. Richtig unbequem und revolutionär ist die christliche Botschaft in dem Sinne, dass sie viele als normal empfundene menschliche Verhaltensweisen umwälzt. Eine der radikalsten Thesen Jesu scheint mir die Aufforderung zu sein: „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen”. (Lukasevangelium Kap. 6,27-28).
Nun leben wir in Deutschland Gott sei Dank seit über 75 Jahren in Frieden. Mit ehemaligen Feinden haben wir uns versöhnt, und die meisten von uns werden wohl sagen: „Feinde habe ich nicht!“ – „Natürlich vertrage ich mich nicht mit jedem gleich gut. Manchen Menschen gehe ich lieber aus dem Weg, aber echte Feinde habe ich nicht!”
Unsere Feinde heute heißen etwas höflicher „Rivalen, Kontrahenten, Konkurrenten, Nachbarn, die nur an sich denken, … aber auch Menschen, die uns fremd und darum bedrohlich sind, werden gerne in diese Liste mit aufgenommen. Feinde sind für uns manchmal auch diejenigen, die nur eine andere Meinung, eine andere Konfession oder eine andere Frömmigkeitspraxis haben; Menschen, die andere Werte und somit andere Ziele verfolgen. Jesus mahnt uns zur Versöhnung. Er, der in seinem Jüngerkreis Zöllner und Zeloten (Widerstandskämpfer) vereinigen konnte, ruft uns zu: „Liebt eure Feinde”.
Ein rabbinisches Sprichwort sagt: „Der größte Held im Lande ist derjenige, der die Liebe seines Feindes gewinnt.” Dies wird deutlich in einer kleinen Geschichte:
Ein alter Kaiser, so wird erzählt, wollte das Land seiner Feinde erobern und sie alle vernichten. Später sah man ihn aber mit seinen Feinden speisen und scherzen. „Wolltest du nicht deine Feinde vernichten?“ wurde er von seinen Beratern gefragt. „Ich habe sie vernichtet“, gab er zur Antwort, „denn ich machte sie zu meinen Freunden.“
Sich die Feinde zu Freunden machen, das ist das christliche Programm der Feindesliebe. Mit der deutsch-französischen Freundschaft ist das auf politischer Ebene beispielhaft gelungen, auch mit den anderen Staaten Europas. Und wenn das im Großen möglich ist, dann sollte es auch im privaten Umfeld möglich sein. „Entfeindungsliebe” wäre eigentlich das richtige Wort, denn wer heute mein Feind ist, muss es morgen nicht mehr sein.

Ich wünsche Ihnen eine versöhnte Woche.

Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Übrigens: Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden. Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedenen Themen finden Sie unter „Archiv“, – für den Fall, dass Sie selbst einmal eine Andacht halten wollen.