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Aktuelle Gedanken

Liebe Besucher unserer Website. An dieser Stelle haben wir in den letzten Jahren die „Gedanken zum Wochenende“, später die „Gedanken zur Woche“ unseres ehemaligen Gemeindepfarrers Bernd Töpfer veröffentlicht. Wir mussten Pfarrer Töpfer im Juli diesen Jahres leider verabschieden, da er ab 1. Juli 2021 auf die Stelle als Pfarrer und operativer Direktor des Windsbacher Knabenchores berufen wurde. Deshalb erscheint auf dieser Seite nun wöchentlich ein Beitrag verschiedener Autoren unseres Dekanats.

Gedanken zur Woche, 24.11.2021

Herbstgedanken

Michael Nachtrab,
evangelischer Pfarrer in Partenstein

Wenn ich aus meinem Arbeitszimmer nach draußen schaue, fällt mir im Garten als erstes ein japanischer Kirschbaum ins Auge. Von irgendeinem irgendwann gepflanzt, wächst und blüht er unverdrossen von Jahr zu Jahr. Im Frühling ein prachtvoller Anblick. Das pralle Leben, farbensatt und kräftig. Nun im Herbst starren die kahlen Äste in den Himmel. Trauer und auch ein wenig Trotz meint der Betrachter zu spüren. Nur noch wenige bräunlich-gelb verfärbte Blätter haben sich an den Zweigen gehalten und stemmen sich gegen das Vergehen. Doch schließlich bringt  ein Windhauch die Letzten noch zu Fall. November, schon eisig kalt ist es geworden, düster, neblig, mystisch. Der Totenmonat sagen manche. Im November endet auch das Kirchenjahr mit Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und dem Totensonntag. Nachdenklichkeit ist angesagt. Besinnung: Das Leben ist endlich. In der Bibel ist diese Erkenntnis ein Zeichen der Weisheit. „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden“, heißt es im 90.Psalm. Kostbar ist unser Leben. Bedrängend wirklich ist der Tod und zugleich ein Teil dieses Lebens. Es hilft nicht, ihn klein zu reden und so zu tun, als bräuchte es nur einen festen Glauben, um diesem „unbekannten Land“(Shakespeare) unbeeindruckt und gelassen gegenüberzutreten. Das
„Fürchtet Euch nicht“ der Bibel ist Menschen gesagt, die die Furcht als Lebenswirklichkeit kennen.  Im 23.Psalm erfährt einer oder eine die Nähe Gottes im „Nachtschattental des Todes“ (Martin Buber). Eine todkranke Frau schrieb mir: „Es mag paradox klingen, aber gerade als es mir sehr schlecht ging, ich physisch und psychisch so weit unten war wie nie zuvor, konnte ich die Gegenwart Gottes ganz deutlich spüren. Der Gedanke, dass ich mich fallen lassen kann, was immer auch geschieht, hat mich getragen und getröstet. Das war ein einschneidendes Erlebnis für mich.“

Und Rilke in seinem „Herbstgedicht“:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Das Bedrängende der Todeswirklichkeit wird nicht ausgespart. Aber der Tod bleibt nicht die endgültige Wirklichkeit. Am Ende triumphiert über das Todesverhängnis der Eine. Oder wie Jesus sagt: der Vater. Die ewige, die rettende, die bergende Liebe. Wir sind umgeben von dieser Liebe, in der selbst das letzte Fallen in eine große Geborgenheit mündet. Denn Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm. (1. Johannesbrief 4,16).

Das ist mein Glaube. Vom Totensonntag in den Advent. Und auf den Gräbern brennt das Licht der Hoffnung!

Michael Nachtrab, evangelischer Pfarrer in Partenstein

Übrigens: Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedenen Themen finden Sie unter „Archiv“, – für den Fall, dass Sie selbst einmal eine Andacht halten wollen.