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Aktuelle Gedanken

Gedanken zur Woche, 03.03.2021

Das gibt’s umsonst

Pfarrer Bernd Töpfer, Marktheidenfeld

Massenweise landen in meinem Briefkasten bunte Werbeprospekte mit dem, was ich scheinbar unbedingt brauche und darum kaufen soll. Und manchmal prangt auf Hochglanzpapier sogar ein Angebot, das gar nichts kostet: „Null-Euro für vollen Genuss”, „Lebensfreude und Spaß gratis”. Doch da bin ich misstrauisch und schaue sofort nach Fußnoten, ob mit dem 0 €-Preis nicht eine teure Vertragsbindung verbunden ist, oder ob ich nach der kostenlosen Kaffeefahrt nicht plötzlich in einer Werbeverkaufsveranstaltung lande…- Moderne Menschen sind eben vorsichtig gegenüber Gratis-Angeboten. „Was nichts kostet, ist nichts wert”. Das haben wir verinnerlicht. Manche Marktstrategen haben der Kirche vorgeschlagen: „Ihr müsstet Eintritt verlangen, dann wären Eure Gottesdienste wieder voll!“. Moderne Menschen sind bereit, hohe Summen auszugeben, um ihren Hunger nach Erlebnissen zu befriedigen, um den Durst nach Leben zu stillen. Moderne Menschen sind überzeugt: Alles im Leben kann man kaufen und alles muss man kaufen: „Im Leben kriegst du nichts umsonst!” heißt es. – oder doch?
Der Prophet Jesaja aus dem Alten Testament bringt es auf den Punkt: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst … Höret auf Gott so werdet ihr leben!“ … „Warum zahlt ihr euer sauer verdientes Geld für das was kein Brot ist und nicht satt macht?” fragt Jesaja. Hört auf Gott! Von IHM lasst euch Leben schenken“ (Jesaja 55,1-5).
Ich lasse mir doch nichts schenken!” empörte sich neulich eine Frau, als ich ihr ein Buch schenken wollte. „Das bezahle ich Ihnen natürlich!” – Warum wollen wir Menschen uns eigentlich nichts mehr schenken lassen? Das hat sich Martin Luther vor 500 Jahren auch schon gefragt: Er schreibt: „Die gottlose Welt lässt sich betrügen: Das was gratis angeboten wird, nimmt sie nicht an, sondern verachtet es, als sei es zu billig, das was wertlos und teuer ist, kauft sie”. Sind wir Menschen diesbezüglich nicht ziemlich verkorkst? Dabei ist es doch deutlich: Das Wichtige im Leben lässt sich nicht kaufen. Es ist Geschenk: Essen kann man kaufen, Appetit nicht. Medikamente kann man kaufen, Gesundheit nicht. Weiche Kissen kann man kaufen, den ruhigen Schlaf nicht. Eine glänzende Wohnung kann man kaufen, Gemütlichkeit und Frieden nicht. Zerstreuung kann man kaufen, Freude nicht. Menschen kann man mit Geld an sich binden, doch Freundschaft und Liebe kann man nicht kaufen. Die Hülle des Lebens kann man kaufen, die Fülle des Lebens nicht. – Alles was uns letztlich zu tun bleibt ist, das Angebot Gottes anzunehmen. „Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.” so verdichtete Paul Gerhardt während des 30-jährigen Krieges seine Erfahrung mit Gott (Evangelisches Gesangbuch N° 302,5) und viele andere können aus ihrem Glauben heraus auch ein Lied davon singen.
Was zählt? – Wir brauchen weder Hochglanzprospekte noch Eintrittspreise für den Gottesdienst. Was wir brauchen ist Gottes Zuspruch, sein Gratis-Angebot zum Leben. – Das zählt. Und das gibt’s tatsächlich umsonst.

Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

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Übrigens: Die jeweils aktuellen Gedanken zur Woche können auch auf unserer Homepage www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden. Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedenen Themen finden Sie unter „Archiv“, – für den Fall, dass Sie selbst einmal eine Andacht halten wollen.