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Aktuelle Gedanken

Gedanken zum Wochenende, 01.04.2020

Ausnahmesituation

Liebe Leserinnen und Leser,

durch die Ausbreitung des Corona-Virus werden wir in fast allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens momentan zu besonderen Maßnahmen veranlasst. So entfällt zum Beispiel vorübergehend auch die Samstags-Ausgabe des Anzeigenblattes. Die Gedanken zum Wochenende, die ich seit 22 Jahren wöchentlich mit einbringe, wurden bereits vermisst. Ich danke der Redaktion, dass ich hinfort meine Beiträge nun in der Mittwochsausgabe weiterhin wie gewohnt veröffentlichen kann.
Wenn wir aktuell von Mensch zu Mensch auf Distanz gehen müssen, bekommen die digitale Kommunikation und der Gedankenaustausch über Druckmedien eine besondere Bedeutung. Weil wir momentan auch keine Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen anbieten können, haben wir in unserer Kirchengemeinde eine Sonderausgabe des Gemeindebriefs herausgebracht mit Tipps und Anleitung, wie wir uns gegenseitig unterstützen können und auch geistlich am Leben erhalten bleiben. Alles finden Sie auf unserer Homepage unter www.marktheidenfeld-evangelisch.de.
Wir weisen auf Angebote in Funk und Fernsehen, auf hilfreiche Internet-Seiten und auch auf konkrete Hilfsangebote für Menschen hin, die in dieser Zeit isoliert und hilfsbedürftig sind. In ökumenischem Einklang werden unsere Glocken wie gewohnt zu den Tageszeiten und zu den Gottesdienstzeiten am Sonntag erklingen. Dies soll die Sehnsucht nach gottesdienstlicher Gemeinschaft wach halten und als einladendes Signal verstanden werden, zu dieser Zeit selbst immer mal wieder eine Andacht und ein Gebet zu halten. Das Bewusstsein, zur selben Zeit mit lieben Menschen aus dem Gemeindegebiet im Gebet vereint zu sein, stärkt und tröstet. Die Friedenskirche halten wir täglich von 12:00 bis 19:00 Uhr für eine stille Andacht und Gebet geöffnet.
In der so genannten „Passionszeit“ geht es um Jesu Leiden am Kreuz. Ehrlich gesagt haben wir uns bislang immer ein wenig geniert mit diesem Thema: Leiden, Ohnmacht, Schuld, Opfer sein… – davon redet niemand so gerne in einer Welt, in der alles machbar zu sein scheint.
Doch jetzt werden unsere Gedanken durchkreuzt, unsere gesamten Planungen der nächsten Wochen mit einem Schlag über den Haufen geworfen: Ein Virus breitet sich aus und macht vor keinen Grenzen Halt. Unser Leben wird angreifbar, verletzlich… – eben durchkreuzt.
Doch auch das ist spürbar: Menschen halten inne, bekommen einen neuen Blick auf das Leben und auf die Situation der Anderen. Eine neue Solidarität entsteht: Nachbarschaftsinitiativen entstehen, neue Kommunikationswege werden gefunden. Von allen Seiten wird Hilfe angeboten. Mediziner und Pflegekräfte leisten Unermessliches. Da steht unser Anspruch, als Christ in der Welt zu leben, plötzlich vor einer Herausforderung, einer „Bewährungsprobe der Mitmenschlichkeit“, ganz praktisch, ohne große Worte.
Auf die Frage, was Christsein in der neuen Zeit bedeutet, sagt der Pfarrer und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer: „Wahres Christentum heißt: Teile des anderen Schmerz“.Das führt in die Gemeinschaft, in die Solidarität. Das führt zur Erneuerung. In Krisenzeiten sind Menschen ansprechbar auf die Frage: Was ist, wenn ich etwas erdulden muss? Wie gehe ich mit Schmerzen um, mit dem Gefühl der Machtlosigkeit, Bedrohung, Angst…? Dann brauchen wir die Fähigkeit, Leiden auszuhalten und trotzdem ganz Mensch zu bleiben, zu leben. Das kann man üben. Indem man von Leid und Belastungen nicht wegschaut, sie nicht weg redet, sondern aushält, dass sie da sind als Teil des Lebens, manchmal auch ohne Antwort, ohne Chance… Das tut weh, aber wir wachsen daran. Manches kann man ja auch anpacken, Leid lindern helfen, heilen… Und es gelingt, gerade wenn wir es gemeinsam tun, in Besinnung auf Jesus Christus. -Passionszeit: Wir nehmen bewusst Schmerz und Leid wahr. Und wir sehnen uns umso mehr nach Ostern, nach der Befreiung von Leid und Tod, nach Auferstehung zu neuem Leben. Und auch da sind wir dann voll dabei.

Ich wünsche Ihnen vor allem, bleiben Sie gesund und Gott befohlen,

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage „www.marktheidenfeld-evangelisch.de“ gelesen und heruntergeladen werden. Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, – für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…