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Aktuelle Gedanken

Wort zum Mittwoch, 18.01.2023

Sonja Siegismund
Religionslehrerin in Lohr a. Main
(Passfoto von Foto Kleinfelder, Lohr)

Der gute Vorsatz der Heiligen Drei Könige

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was die Heiligen Drei Könige nach Weihnachten machten? Ich bin so frei, sie mir entsprechend der zahlreichen Legenden als echte Könige mit schönen Kleidern und vielen Bediensteten vorzustellen. Klar, sie gingen nicht zu König Herodes zurück. Dieser wollte mit ihrer Hilfe das Kind ausspionieren, das er als Konkurrenz für seinen Thron wahrnahm. Die Heiligen Drei Könige erkannten die List des Herrschers und verschwanden, ohne Herodes Näheres über die Geburt Jesu mitzuteilen. Die Bibel erwähnt sie nicht mehr. Aber natürlich darf man die Frage stellen, was der Besuch an der Krippe in ihnen ausgelöst hat. Welche guten Vorsätze hatten sie? Haben sie gleich ihre kostbare Kleidung an die armen Hirten verschenkt? Haben sie nach ihrem Besuch an der Krippe sofort ihre Knechte auf ihre Kamele gesetzt und sind selbst gelaufen?
Ungefähr ein Drittel der Menschen in Deutschland fasst gute Vorsätze für das neue Jahr. Nach den vielen Plätzchen an Weihnachten haben viele den Plan, sich gesünder zu ernähren und mehr Sport zu treiben. Aber auch umweltbewusster zu leben, steht bei vielen ganz oben auf der Liste. Andere wollen sich stärker sozial engagieren, mehr spenden oder ein Ehrenamt ergreifen. Es sind Ziele, die die eigene Gesundheit betreffen, und Ziele, die die ganze Menschheit, angehen. Viele Weihnachtsgeschenke sollen bei der Umsetzung der guten Vorsätze helfen: ein neues Handy mit Schrittzähler-App, neue Sportgeräte, ein Kochbuch für vegetarische Kost, ein Lastenfahrrad, um nicht mehr mit dem Auto zum Einkaufen fahren zu müssen. Oft halten die guten Vorsätze nicht lang. Die Umstellungen sind unangenehm und verursachen Stress. Experten raten, ganz konkrete Ziele zu formulieren. Diese sollten nicht so groß sein, dass sie überfordern.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Heiligen Drei Könige auch überfordert waren. Sie waren gekommen, um einem neuen Herrscher zu huldigen. Gefunden hatten sie das Kind einfacher Eltern in einem Stall. Eine Geschichte von Werner Reiser macht sich Gedanken über den Nachhauseweg der drei Heiligen Könige. Sie erzählt davon, dass die Könige sich verirrt haben und den Weg nicht mehr finden können. In dieser Situation meldet sich ein Knecht zu Wort und weist sie auf den richtigen Pfad hin. Die Reaktionen in der Geschichte sind gemischt. Zwei Könige empfinden es als dreist, dass der Knecht es wagt, das Wort zu ergreifen, und verwarnen ihn. Der Dritte erkennt, dass so ein arrogantes Verhalten nach der Begegnung mit Jesus nicht mehr akzeptabel ist. Er fordert den Knecht auf zu sprechen und überzeugt die anderen ihm zu folgen. Er geht ganz buchstäblich neue Wege. Er krempelt nicht gleich alles um, aber sein Handeln ist ein Anfang. Sein Verhalten macht Mut, an den guten Vorsätzen festzuhalten. Beharrlich, Schritt für Schritt eine neue Richtung einzuschlagen.

Sonja Siegismund, Religionslehrerin in Lohr a. Main